Lebensgefühl Farbe - Malen mit Pflanzenfarben
Das Buch von Angelika Burgert ist sehr facettenreich strukturiert. Hardcover und Buchseiten sind aufwendig gestaltet. Die Texte sind lesefreundlich gegliedert und zahlreiche Bilder helfen, die Beiträge besser zu verstehen.
Die Autorin nennt ihren Malstil „naturinspiriertes Malen”. Aus der lebendigen Natur entnimmt sie ihr Farbenmaterial und die Natur ist zugleich Vorbild im künstlerischen Umgang mit diesem Material. Sie betrachtet die Farben unter verschiedenen Aspekten. Kaum ein Bereich wird ausgelassen, um ihre Beziehung zum Reich der Farben darzustellen. Neben der Malkunst sind Poesie, Philosophie und Naturwissenschaft anwesend, um uns zu erklären, welche Qualitäten die Farben in sich tragen. Das Buch vermittelt den Eindruck eines großen Wissensschatzes über das Gebiet der Farbenwelt. Es scheinen keine Fragen offen zu bleiben. Allerdings werden den geisteswissenschaftlichen Grundlagen der Farbentstehung und Farbenlehre im Allgemeinen wie bei J.W. von Goethe und Rudolf Steiner wenig Raum gegeben.
Angelika Burgert möchte in der Leserschaft den Appetit wecken, in den Farbenraum einzutauchen und sich selbst dem Malen mit Pflanzenfarben zuzuwenden.
Das Besondere an diesem Buch ist die Zuordnung der Farben zu den Monaten. Wir bewegen uns mit den Farben durch den Jahreslauf, der im Jänner mit Grau beginnt, das die Autorin als das Vermittelnde charak terisiert, alle Farben durchläuft und im Dezember mit dem Thema Licht und Dunkelheit endet. Poetisch wird uns die Verwandtschaft der Jahreszeitenstimmungen in der Natur mit den Eigenschaften der Farben vermittelt.
Jeder Monat beginnt mit dem Kapitel „Natur”, welches uns die monats spezifischen Naturvorgänge nahebringt und uns dazu anregt, die Sinne wach zu halten. Der zweite Abschnitt nennt sich „Thema”. Im Juni lautet das Thema „Gelb, das Sonnennahe”, in dem Gelb als die lichtvollste, leuchtendste Farbe dargestellt wird. Im Kapitel „Einstimmung“ bietet die Autorin Übungen an, welche die Empfindsamkeit für die entspre chenden Farbqualitäten kultivieren sollen. Welche Empfindung etwa Rot im Vergleich zum Grün in uns auslöst. Der vierte Abschnitt nennt sich „Das Malen“. Hier wird uns erklärt, aus welchen Pflanzen oder auch Tieren eine bestimmte Farbe hergestellt werden kann. Beim Rot wird die Krappwurzel, auch Färberkrapp ge nannt, besonders hervorgehoben. Es folgt eine Anleitung im Umgang mit der Farbe, wo es darum geht, eine Technik zu entwickeln, durch die die Qualität einer Farbe gut ins Bild gebracht wird. Wie kann der Wärmecharakter des Rot im Kontrast oder in Zusammenstimmung mit anderen Farben am besten zum Ausdruck gebracht werden? Man wird dazu angeregt, mit den Farben, verschiedenen Formaten und Untergründen zu spielen und zu experimentieren. Gemalte Bildmotive veranschaulichen, wie eine bestimmte Farbe im Ensemble anderer ihre Wirkung entfaltet.
Schau in die Natur und lerne von ihr die Farben zu verstehen, um sie beim Malen empfindsam zum Ausdruck zu bringen, könnte das Leitmo tiv dieses Buches lauten. Norbert Liszt